Versteckte Unfallschäden erkennen: Diese Schäden werden oft übersehen
Nicht jeder Unfall endet gleich mit einem Totalschaden. Doch auch kleine Schäden, die im ersten Moment harmlos wirken oder vielleicht sogar gar nicht sichtbar sind, können am Ende teuer werden. Vor allem moderne Fahrzeuge reagieren mit ihrer Technik und Elektronik sehr empfindlich.
In diesem Ratgeber klären wir als erfahrene Kfz-Gutachter aus Berlin deshalb darüber auf, wie es überhaupt zu versteckten Unfallschäden kommen kann, warum sie so häufig vorkommen, welche Schäden typisch sind und woran sie diese erkennen. Darüber hinaus lesen Sie, warum Gutachter oft anders als Werkstätten bewerten und wann ein unabhängiges Gutachten empfehlenswert ist.
Warum kommen versteckte Schäden nach einem Unfall so häufig vor?
Dass versteckte Unfallschäden so häufig vorkommen, liegt unter anderem an
- der modernen, jedoch oft auch sensiblen Fahrzeugtechnik und komplexen Bauteilen, gerade bei neueren Fahrzeugen,
- Kunststoffstoßfängern, die Schäden an dahinter liegenden Komponenten verdecken können,
- empfindlichen Sensoren und elektronischen Systemen, die bereits auf geringe Krafteinwirkungen reagieren können, sowie
- Kräften, die oft tiefer in das Fahrzeug wirken, als man es von außen auf den ersten Blick sehen kann.
Typische versteckte Schäden nach einem Unfall
Verdeckte Schäden können ganz unterschiedlich ausfallen. Zu den häufigsten zählen unter anderem:
- Achsschäden
- Rahmenschäden
- verzogene Karosserie
- beschädigte Sensoren
- Schäden hinter der Stoßstange
- Kühler-/Trägerschäden
- Schäden an Kameras und Assistenzsystemen
Woran erkennt man verdeckte Schäden?
Ob ihr Fahrzeug keine sichtbaren Schäden erlitten hat, lässt sich als Laie leider oft nur schwer feststellen. Sie sollten daher als Unfallgeschädigter am besten immer ein neutrales Unfallgutachten durch einen unabhängigen Gutachter auf Kosten der gegnerischen Versicherung erstellen lassen. Dieses bewertet alles objektiv und professionell, damit Sie nicht auf Kosten sitzen bleiben.
Es gibt aber auch einige leichter erkennbare Anzeichen, die ein erster Hinweis auf versteckte Unfallfolgeschäden sein können. Zu den häufigsten zählen unter anderem
- ein schiefes Lenkrad
- ein ungewöhnliches Fahrverhalten (daran lassen sich meist Karosserieschäden erkennen)
- neue Geräusche, die sich keiner eindeutigen Ursache zuordnen lassen (daran lässt sich meist auch ein Fahrwerkschaden erkennen)
- übermäßiger Reifenverschleiß
- Warnmeldungen
- eine ungleichmäßige Spaltmaße
Warum Werkstätten Schäden oft anders bewerten als Gutachter
Nach einem unverschuldeten Unfall schlägt die gegnerische Versicherung häufig einen Kostenvoranschlag durch eine (Partner-)Werkstatt oder ein Gutachten durch einen eigenen Sachverständigen vor. Womöglich gehen Sie als Geschädigter aber auch selbst davon aus, dass ein Werkstattbesuch und eine Schätzung ausreichen.
Bei einem Schaden oberhalb der Bagatellgrenze haben Sie jedoch das Recht, einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen Ihrer Wahl zu beauftragen. Während eine Werkstatt mit ihrem Kostenvoranschlag vor allem den Reparaturbedarf und die voraussichtlichen Reparaturkosten dokumentiert, bewertet dieser den gesamten Unfallschaden neutral. Er hält den Schaden fest, sichert wichtige Beweise und berücksichtigt neben dem Reparaturweg sowie den Reparaturkosten auch weitere mögliche Schadenspositionen wie eine merkantile Wertminderung und eine Nutzungsausfallentschädigung.
Ein Unfallgutachten ist somit umfassender als ein reiner Kostenvoranschlag und dient auch als rechtssichere Grundlage, falls es später zu Unstimmigkeiten kommen sollte.
Weitere Informationen finden Sie auch in unserem Ratgeber:“Kostenvoranschlag oder Gutachten: Wann soll ich was wählen?”
Wann ein unabhängiges Gutachten sinnvoll ist
Grundsätzlich sollten Sie als Geschädigter nach einem unverschuldeten Unfall immer ein unabhängiges Gutachten erstellen lassen, um Ihre Ansprüche vollumfänglich geltend machen zu können. Besonders sinnvoll ist dies bei
- Haftpflichtschaden
- Leasingfahrzeugen
- modernen Fahrzeugen
- unklarer Schadenshöhe
Weitere Informationen zu Ihren Rechten und Ansprüchen nach einem unverschuldeten Unfall finden Sie auch in unserem Ratgeber für Unfallgeschädigte.
Fazit: Sichern Sie Ihre Ansprüche bei versteckten Unfallschäden
Auch wenn nach einem Unfall keine größeren Beulen oder Kratzer zu sehen sind, sollten auch kleine Schäden nicht unterschätzt werden. Verdeckte Unfallschäden können ein erhebliches Sicherheitsrisiko sein und auch später noch hohe Reparaturkosten verursachen. Wir empfehlen daher immer eine unabhängige Prüfung des Fahrzeugs und eine Begutachtung durch einen objektiven Kfz-Sachverständigen.
Gerne beraten wir Sie auch persönlich, ob ein Gutachten in Ihrem Fall sinnvoll ist oder ob bereits ein Kurzgutachten oder ein Werkstattbesuch ausreicht. Fragen Sie uns einfach an!
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu versteckte Unfallschäden
Was sind versteckte Unfallschäden?
Von versteckten Schäden spricht man, wenn die Schäden am Fahrzeug nicht oder kaum sichtbar sind, zum Beispiel nach einem kleineren Auffahrunfall oder Zusammenstoß, sie aber dennoch Auswirkungen haben und dadurch die Sicherheit, das Fahrverhalten und/oder die Reparatur- und Folgeschädenkosten beeinflussen können.
Was sind versteckte Mängel bei einem Auto?
Versteckte Mängel sind Defekte oder Schäden, die nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Sie können bereits vor dem Fahrzeugkauf da gewesen, durch eine falsche Nutzung oder einen Unfall verursacht worden sein.
Kann ein kleiner Unfall versteckte Schäden verursachen?
Ja. Bereits kleine Unfälle können dazu führen, dass zum Beispiel sich der Rahmen verzeiht oder im Inneren des Fahrzeugs die Elektronik beschädigt wird. Nach einem Unfall sollten Sie deshalb am besten immer ein Gutachten durch einen unabhängigen Kfz-Sachverständigen in Auftrag geben, damit alle Schäden vollständig erfasst, dokumentiert und vollständig reguliert werden können.
Was zahlt die Versicherung bei versteckten Schäden?
Bei einem unverschuldeten Unfall übernimmt die gegnerische Haftpflichtversicherung in der Regel auch alle nachweisbaren versteckten Unfallschäden. Werden diese oder daraus resultierende Folgeschäden allerdings erst später entdeckt, kann die Nachregulierung ohne ausreichende, rechtssichere Dokumentation in Form eines Gutachtens schwieriger werden.